Foto: Manuel Kinzer

Manchmal ein Horror-Beruf

Du hast dich von deinem ganzen Leben, deinem Herkunftsland verabschiedet, Flucht erlebt und Zuflucht gefunden. Doch wie geht es weiter mit der Arbeit, ohne Deutsch auf muttersprachlichem Niveau? Ohne Kontakte und Netzwerke? Ohne technische Mittel? Ohne alles? Das ist der Horror.

Negin Behkam (privat)

Ohnehin ist deine journalistische Arbeit nicht so viel Wert, wie die deiner KollegInnen hier. Am Anfang bist du noch interessant und viele wollen ein Interview. Wie spannend, ein Opfer, das davon erzählen kann, wie schlimm die Lage im Iran ist. Aber irgendwann nicht mehr das Opfer, sondern selbst die Journalistin zu sein? Fast unmöglich.

Wie schlimm ist das, für seine Profession gekämpft zu haben, bis hin zur Flucht aus der Unterdrückung in die Ungewissheit, und dann in einem Land der Pressefreiheit wieder nicht seinen Beruf ausüben zu dürfen? Nicht weil wie im Iran Texte und Köpfe abhängig von der staatlichen Zensur sind, sondern weil der Zugang für geflüchtete Medienmenschen fehlt.

Nun gibt es ein Projekt, das mir Hoffnung gibt. Es ist ein wichtiges Stück Planungssicherheit für mich und eine publizistische Perspektive für Neuankömmlinge aus meinen Berufsstand. Denn wohin geht man als JournalistIn, wenn der alte Laptop kaputt ist und kein Cent in der Tasche für einen Ersatz oder die Reparatur übrig geblieben ist?
Seit Oktober 2017 in ein kleines, herzenswarmes Zimmer in Berlin-Friedrichshain.

Willkommen bei Media Residents

Es fühlt sich an wie bei geliebten und liebenden Verwandten. Die Leute aus Media Residents nenne ich Basti und Co., in dem Coworking Space unterstützen sie JournalistInnen und die, die es (wieder) werden wollen, mit persönlicher Hilfestellung und technischem Equipment. Wenn tiefer gehende Fragen zu Presserecht, Selbstständigkeit und Veröffentlichungen im sozialen Netz auftauchen, organisieren sie kurzerhand den passenden Workshop.

Ich habe diese kostenfreien Angebote gern in Anspruch genommen und werde es jederzeit wieder tun, um das was ich noch nicht oder nicht mehr wusste, nachzuholen und auszuprobieren. Dankbar bin ich auch für die Kontakte, die besonders in meinem Beruf lebensnotwendig sind. Meine KollegInnen der persischen und arabischen Nachrichtenplattform Amal, Berlin! schreiben und berichten schon länger für neue BerlinerInnen. Jetzt erreichen unsere Texte und Perspektiven jetzt auch die LeserInnen vom „neuen deutschland“. Journalismus darf kein Horror-Beruf sein, gerade wenn man im Exil arbeiten muss. Danke, Basti und Co.!

Texte von Negin findet ihr auf amalberlin.de und auf neues-deutschland.de