Marian Spode, Foto: Florian Lutz

Über Benachteiligung und Chancen junger Menschen

Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland setzt sich inzwischen seit über 18 Jahren für Respekt und Toleranz sowie gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus ein. Auch Media Residents ist ein Projekt der Initiative. Ein zentraler Fokus des Vereins liegt auf Demokratiearbeit mit jungen Menschen, was gerade in der Arbeit mit bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen eine besondere Herausforderung darstellt. Aber was überhaupt ist Bildungsbenachteiligung? Auf dem Fachtag: Bildung und Benachteiligung treffen Akteure aus der Bildungsarbeit aufeinander, um sich über Methoden und Herangehensweisen auszutauschen. Wir haben mit Marian, der den Fachtag organisiert, gesprochen.

Hi Marian. Du organisierst für Gesicht Zeigen! den Fachtag zum Thema Bildungsbenachteiligung. Warum ist dieser Austausch so wichtig?

Bildungsbenachteiligung ist leider kein großes Thema, oder es ist nicht groß genug in der Öffentlichkeit. Mit unserem Fachtag wollen wir darauf aufmerksam machen, einen Fachaustausch moderieren und gemeinsam über Verbesserungsmöglichkeiten nachdenken. Unser langfristiges Ziel ist es, dass das deutsche Bildungssystem gerechter wird!

Wo zeigt sich denn die Ungerechtigkeit des deutschen Bildungssystems?

Leider ist es nach wie vor so, dass sich die soziale Herkunft über Generationen hinweg auf die Bildungschancen auswirkt, und zwar sehr stark. Dieser Missstand muss sich einfach ändern.

Was ist überhaupt Bildungsbenachteiligung? Gibt es eine offizielle Definition?

Es gibt keine offizielle Definition! Eine sehr verbreitete ist die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und diese definiert Risikolagen, nach denen Bildungsbenachteiligung wahrscheinlich ist. Dazu gehören dann Arbeitslosigkeit der Eltern, die soziale Lage, der Wohnort und auch der Migrationshintergrund. Wenn mehrere von diesen zusammenkommen, ist Benachteiligung wahrscheinlicher, aber das sagt über einzelne Menschen manchmal nicht viel aus. Letztlich ist vor allem die soziale Herkunft ein entscheidendes Kriterium für Bildungschancen in Deutschland, und das so stark wie in kaum einem anderen Industrieland.

Wie viele junge Menschen sind davon betroffen, bundesweit und in Berlin?

Das ist sehr schwer zu sagen, es gibt viele verschiedene Studien zu einzelnen Benachteiligungen, aber keine absoluten Zahlen. Es trifft vor allem Kinder und Jugendliche in sozialen Brennpunkten oder im ländlichen Raum.

Wen erwartest du beim Fachtag, welche Themen werden die Gäste mitbringen?

Es wird stark um die Erfahrungen aller Gäste gehen, die sie konkret in Ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben. Zusätzlich haben wir vier Thementische mit Praxisansätzen dabei, darunter die Roland Berger Stiftung mit ihrem Stipendienprogramm, die Demorkatielabore mit digitalen Spielen und das Jugend Museum mit Jugendlichen als Expert*innen.

Welche Rolle spielt Bildungsbenachteiligung in der täglichen Arbeit von Gesicht Zeigen?

An unserem Lernort 7xjung war es von Anfang an die Idee, einen Ort für Schüler*innen zu schaffen, die nicht aufs Gymnasium gehen. Unser Bildungsansatz ist in diesem Sinne inklusiv und niedrigschwellig. Wir wollen mit einfacher Sprache, mit bunten Farben, aktuellen Themen und aktivierenden Methoden möglichst viele Menschen erreichen und niemanden benachteiligen. Daher sind wir auch seit 2015 im Bundesprogramm “Demokratie leben!” des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und werden im Themenfeld “Demokratiearbeit mit bildungsbenachteiligten jungen Menschen” gefördert.

Sind bildungsbenachteiligte junge Menschen eine besondere Zielgruppe der politischen Bildung?

Nein! Wir sind fest davon überzeugt, dass unsere Arbeit so wie wir sie machen, für alle Zielgruppen gut ist! Im Rahmen echter und gelebter Inklusion sollte es idealtypisch gesehen keine Zielgruppen mehr geben, aber so ist es letztlich nicht. Wir bereiten uns auf Anfragen sehr genau vor und berücksichtigen dabei immer die verschiedensten Hintergründe unserer Zielgruppen.

Welche Zugänge zu Demokratiearbeit bietet Gesicht Zeigen! speziell für bildungsbenachteiligte junge Menschen?

Zum einen legen wir großen Wert darauf, dass unsere Angebote kostengünstig sind und in Bezug auf Sprache und Inhalt niedrigschwellig vermittelt werden. Wir bieten am Lernort 7xjung und auch in unserer bundesweiten pädagogischen Arbeit eine ganze Reihe an aktivierenden und motivierenden Methoden an: spielerisch, bunt, wertschätzend, mit Bewegung im Raum, auf Augenhöhe und mit Spaß! Wichtig ist uns auch, dass wir direkt an die Lebens- und Erfahrungswelt der jungen Menschen anschließen und ihre Themen und Orte mit einbeziehen.

Wer kann am Fachtag teilnehmen? Und wie?

Alle Interessierten können teilnehmen und zu unserem Lernort 7xjung kommen! Dazu einfach anmelden unter beratung@gesichtzeigen.de
Mehr Infos findet ihr auf gesichtzeigen.de.

Wir freuen uns auf alle, die Interesse haben und mitreden wollen!

Wir freuen uns auch und sind gespannt auf den Austausch!

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Gesicht Zeigen! Show your face – for liberal minded Germany www.gesichtzeigen.de

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