Andreas Volleritsch und Oliver Wurm, Herausgeber des Grundgesetzmagazins, Foto Lars Krüger 

Für die Werte einstehen, die uns die Mütter und Väter des Grundgesetzes mit auf den Weg gegeben haben

Ein bemerkenswerter Text braucht auch eine beeindruckende Erscheinung. Und das deutsche Grundgesetz ist bemerkenswert, viele der Grundrechte sind auch zugleich internationale Menschenrechte. Es ist ein Text, der nicht in dunklen Schubladen verstauben sollte, der es vielmehr verdient, im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen. Zu diesem Fokus verhilft ihm nun ein glanzvoller Auftritt als hochwertiges Magazin, erhältlich in Kiosken und Buchhandlungen neben anderen Magazinen und Zeitschriften. Das Herausgeber Duo Oliver Wurm und Andreas Volleritsch haben bereits das neue Testament als Magazin herausgebracht, anlässlich des 70. Jubiläums nun das Grundgesetz. Wir haben mit Oliver Wurm über das Magazin, die Idee dahinter und über das Grundgesetz an sich gesprochen. 

Media Residents: Hi Oliver! Wie bist du auf die Idee gekommen, dem Grundgesetz eine so ansprechende Form zu verleihen?

Oliver Wurm: Die Idee hat mich mehr oder weniger “gefunden”. Ich saß Ende November letzten Jahres auf der Couch und habe die Talkshow “Markus Lanz” geguckt. Dort war Ranga Yogeshwar zu Gast, und im Verlauf des Gesprächs kam die Runde auf das Grundgesetz zu sprechen. Ranga schwärmte förmlich, sagte, dass die deutsche Verfassung vermutlich zu den schönsten der Welt gehöre. Und riet, dass sie doch jeder einmal lesen sollte. Ich dachte: Da hat er Recht. Und habe mir noch in der Sekunde eine im Netz bestellt. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Ein paar Tage später lag das Exemplar in der Post. Ein winziges Heftchen, alles sehr fad gestaltet, das Papier ganz dünn.
Schon nach wenigen Sätzen konnte ich aber die Begeisterung für den Text verstehen. Alleine die 19 Grundrechte, eine wunderbare Essenz für das gesellschaftliche Zusammenleben. Mit jeder Seite weiter dachte ich: Was für ein freudvoller, großartiger Text – und was für eine freudlose Darbietung. Spontan hatte ich dann die Idee, diesen Text mal zu befreien. Ihm einen Auftritt zu verpassen, der Lust macht, in den Inhalten zu lesen. Und der zweite Gedanke war dann: Der Text muss dahin, wo die Menschen sind. So entstand die Idee des opulenten Magazins, das nun bundesweit am Kiosken und in den Buchhandlungen liegt.  

Oliver Wurm, Foto Lars Krüger

Ein einziger Candy-Storm

MR: Was für ein Feedback hast du bisher bekommen?

Oliver Wurm: Ich war durchaus nervös, bevor das Heft rauskam. Ich selbst war total überzeugt von dem Ergebnis. Wir haben die Würde der Verfassung jederzeit bewahrt, das ganze extrem hochwertig gedruckt und den Vertrieb auch so ausgesteuert, dass es nicht irgendwo zwischen TV-Heften und den Yellow-Blättern gelandet ist. Der Rest lag nun nicht mehr in meiner Hand. Aber von Tag eins ist es ein einziger Candy-Storm. Eine 82-jährige Oma bestellte acht Ausgaben für ihre Enkel, Jura-Studentinnen aus Münster meldeten sich ebenso begeistert wie der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Herr Wolfgang Kubicki. Und auch quer durch alle Medien gab es ausnahmslos positive Besprechungen. Inzwischen gibt es erste Schulen, die ganze Klassensätze bestellen. Wunderbar!

MR: Hast du Verbesserungsvorschläge oder Aktualisierungsbedarf für das Grundgesetz?

Oliver: Jede Aktualisierung, die beschlossen wird, bauen wir natürlich in den nächsten Nachdruck gleich ein. Verbesserungsvorschläge zu geben, davon bin ich jedoch weit entfernt. Das maße ich mir nicht an.  

Vielleicht müssten 81 Millionen Deutsche auch mal für einen Tag ins All

MR: Warum hast du dich dazu entschieden, mit Satellitenbildern Deutschland von oben im Magazin zu zeigen?

Oliver: Ursprünglich wollten wir nur den Text drucken. Die Artikel so gestalten, dass sie plakativ und somit selbst als Bilder wirken. Aber als wir fertig waren, hatten wir aus Sicht der Magazin-Gestalter das Gefühl, dass ein paar spannende Optiken dem ganzen einfach noch mal gut tun würde. Wir haben dann verschiedene Dinge ausprobiert, auch Bilder der aktuellen Kanzlerin, des Bundespräsidenten und aus Berlin. Aber das wurde dann plötzlich zu speziell, und lenkte durch die Aktualität irgendwie vom Text ab. Ich verfolgte zu der Zeit sehr fasziniert, wie Astronaut Alex Gerst seine Mission ins All zur ISS auf Social Media begleitete. Irgendwann postete er ein Bild der aufgehenden Sonne über Europa. Da hat es Klick gemacht. Wir haben dann seinen gesamten Thread durchgeschaut, und zum Glück reichlich gutes Material von Europa und Deutschland gefunden. Das ganze hat fast eine Meta-Ebene. So nach dem Motto: Vielleicht müssten 81 Millionen Deutsche auch mal für einen Tag ins All, um zu erkennen, wie schön die Welt ist, wie toll unser Land in Europa eingebettet ist. Friedlich, vereint. Mit seinen neun Nachbarländern. So, wie es in der Präambel einmal vor 70 Jahren als Ziel formuliert wurde. Es lohnt sich, dafür jeden Tag zu kämpfen. Für die Werte einzustehen, die uns die Mütter und Väter des Grundgesetzes mit auf den Weg gegeben haben. Kurzum: Es könnte keine bessere Bebilderung geben. Und daher ist es vielleicht auch kein Zufall, dass Alex Gerst diese Bilder da oben gepostet hat, während wir hier unten genau das gesucht haben.

So eine aufwändige Aufgabe geht man nur an, wenn es einen selbst fasziniert

MR: Du hast ja bereits das neue Testament als Magazin herausgegeben. Jetzt das Grundgesetz. Gibt es noch weitere wichtige Texte, denen du gerne zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen möchtest?

Oliver: Das mag jetzt etwas abgehoben klingen, aber es ist ja tatsächlich so: Auch die Idee, das Neue Testament in Magazin-Form zu gießen, habe ich 2011 nicht aktiv in einem Brainstorming ersonnen – auch diese Idee fiel, hier passt es ja, quasi vom Himmel. Weil ich in einem Hotel lag, nicht schlafen konnte, dort nur diese kleine Bibel-Ausgabe zur Hand hatte – und ein ähnliches Erweckungserlebnis hatte wie sieben Jahre später mit dem Grundgesetz. Will sagen: Warten wir mal ab, was noch kommt. Es wäre jedenfalls falsch, jetzt auf die Suche nach schwer lesbaren Texten zu gehen. So eine aufwändige Aufgabe geht man nur an, wenn es einen selbst fasziniert.

MR: Welchen Artikel des Grundgesetzes siehst du als besonders wichtig an?

Oliver: Natürlich Artikel 1. “Die Würde des Menschen ist unantastbar.” Hätte das Grundgesetz nur diesen einen Artikel, wäre es schon ein wunderbares Grundgesetz. Als Journalist freue ich mich natürlich, in einem Land arbeiten zu dürfen, wo die Pressefreiheit verankert ist. Und, Artikel 5, eine Zensur nicht stattfindet.

MR: Was wünscht du dem deutschen Grundgesetz zum 70. Geburtstag?

Oliver: Dass die Menschen, für die es geschrieben und erdacht wurde, es so schätzen, wie es dieser Text verdient hat.

MR: Danke dir!

Das Grundgesetz für zu Hause

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dasgrundgesetz.de

 

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