Thabo Thindi, Foto privat

Thabo Thindi ist Filmemacher, Regisseur, Künstler. Mit seinen Filmen und Fotografien fängt der aus Südafrika stammende Wahlberliner Aspekte des Alltags und des menschlichen Miteinanders ein. In einem zweitägigen Workshop könnt ihr am 13. und 14. April von Thabo lernen, wie ein Dokumentarfilm entsteht. Neben dem technischen Know How stehen hier eure Gedanken zum Thema Identität im Vordergrund. Wir haben mit Thabo über seine Arbeit, deren Auswirkungen und Politik gesprochen.

Die Kraft des Films kann Berge versetzen

Media Residents: Hi Thabo, schön dass du Zeit hast. Du bist Filmemacher aus Leidenschaft. Was ist die Motivation hinter deinen Filmen?

Thabo Thindi: Ich möchte die zwischenmenschliche Dynamik ergründen und unsere Haltung gegenüber dem Universum, könnte man sagen. Ich bin ziemlich überrascht davon, wie menschliche Wesen zugleich Intelligenz und Dummheit aufweisen können. Es ist doch kaum zu glauben, dass wir Menschen Waffen erschaffen, um uns gegenseitig zu zerstören, indem wir uns buchstäblich durch Kriege töten. Wir lassen die Schwachen zu Tode hungern. Unvorstellbar! Aber es muss etwas Besonderes an dieser menschlichen Spezies sein und ich würde gerne wissen, was es ist. Deshalb bin ich Dokumentarfilmer.

Media Residents: An was für einem Projekt arbeitest du aktuell?

Thabo: Mein Verstand arbeitet ständig, rund um die Uhr. Er steht nie still. Jeden Tag und jede Minute stoße ich auf viele spannende Geschichten, die ich mit der Welt teilen möchte. Um unsere Augen etwas weiter zu öffnen, um zu zeigen, dass wir Mitmenschen sind. Um dem gerecht zu werden, arbeite ich immer parallel an mehreren Projekten. Im Moment entwickle ich ein Konzept für einen Dokumentarfilm über Südafrikaner, die aufgrund des Soweto-Aufstands von 1976 als Jugendliche ins Exil gingen und nie nach Hause zurückkehrten. Ich möchte wissen, was mit ihnen passiert ist. Ich arbeite auch an einem Dokumentarfilm über die geheime Kapitulation der deutschen Nazis in Norditalien während des Zweiten Weltkriegs, die Millionen von Leben gerettet hat. Und demnächst habe ich eine Fotoausstellung in Berlin.

Unser Leben wird von Politik bestimmt

Media Residents: Auf deiner Seite jozi.tv lässt sich erkennen, dass du dich filmisch besonders mit afrikanischer Kultur auseinandersetzt. Warum?

Thabo: Oooohhhhh Ich wusste gar nicht, dass meine Website diesen Eindruck macht. Nun, ich konzentriere mich auf menschliche Geschichten unterschiedlicher Art. Aber vielleicht bin ich mit afrikanischen Geschichten verbunden, weil ich Afrikaner bin und das Thema mir einfach nahe steht. Oder vielleicht möchte ich afrikanische Geschichten aus einer afrikanischen Perspektive erzählen. Das Bild, das in Deutschland und vielen anderen Teilen der Welt die Menschen von Afrika und Afrikanern haben, ist ziemlich beunruhigend. Unsere Geschichten werden aus einer einseitigen Perspektive erzählt und lassen meistens den wichtigsten Aspekt aus, nämlich warum und wie wir zu einem bestimmten Punkt unseres Lebens gekommen sind. Das Bild der afrikanischen Namibier hier in Deutschland ist, dass sie arm und wie auch immer blablablabla sind, aber was nicht gesagt wird, ist der Grund, warum diese Menschen in einer solchen Notlage sind – wegen des deutschen Völkermords. Nicht zu vergessen, dass die Deutschen bis heute von diesen Menschen stehlen. Wir sollten also immer beide Seiten einer Münze betrachten, um das menschliche Wesen zu erkennen, aber wir lehnen dies ab, wenn es für uns angenehmer ist. Deshalb würden die meisten Deutschen sagen, dass sie nicht wissen, dass dies geschieht. Absolut keine Entschuldigung.

Media Residents: Noch einmal zu deiner Rolle als Dokumentarfilmer: Ist der Dokumentarfilm an sich aus deiner Sicht immer politisch? Was kann ein Film bewirken?

Thabo: Alles ist Politik. Unser Leben wird von der Politik bestimmt. Was ich esse, trinke, rieche, sehe, alles hängt von der Politik ab. Was ich in einem Film sehe, ist genauso von Politik mitbestimmt. Wenn ich also einen Film über Mode mache, kann eine Person denken, Mode sei keine Politik, aber in Wirklichkeit ist alles Politik. Die Kraft des Films kann Berge versetzen.

Media Residents und Salam2you planen einen Filmworkshop mit Thabo Thindi

Hinter dem Skilltransfer gibt es mehr, als man auf den ersten Blick sieht

Media Residents: Du hast schon häufiger Film-Workshops mit Jugendlichen geleitet. Worin liegt die Faszination, die junge Menschen im Film sehen?

Thabo: Ich kann nicht für die Jugend sprechen, vielleicht sollten wir uns mit ihnen darüber unterhalten. In Workshops konzentriere ich mich darauf, sie zu stärken, damit sie sich selbst stärken können. Ich glaube an die Kraft des Films. Ich glaube, dass sie mit dem Medium Film die Welt verändern können, zu ihrer eigenen besseren Welt machen können.

Media Residents: Was ist das besondere an der Arbeit mit Jugendlichen? Du vermittelst in deinen Workshops Wissen, was lernst du auf der anderen Seite selbst beim Unterrichten?

Thabo: Ich lerne viel von den jungen Leuten. Die meisten von ihnen haben eine interessante Perspektive auf das Leben. Ihre Visionen sind nicht die meiner Generation oder der Generation meiner Eltern. Sie wollen über jede Form unsinniger Diskriminierung hinausgehen und sich auf das Entdecken außerhalb des Universums konzentrieren. Bestimmte Themen, mit denen wir uns beschäftigen, sind für sie ziemlich alt und sie haben sie einfach satt. Für mich sind diese Workshops eher ein Austausch als Unterricht. Natürlich gibt es einen Skilltransfer, aber dahinter gibt es mehr, als man auf den ersten Blick sieht.

Thabo im Netz

www.jozi.tv
Hier könnt ihr euch für den Filmworkshop mit Thabo anmelden info@salam2you.de

Filmworkshop Videotechnik und Regie

13. und 14. April 2019

🎥🙍🏾🙍🏿‍♂️👱🏽‍♀️ Ihr wollt euren eigenen Film drehen? Lernt wie's geht! Gemeinsam mit Salam to You veranstalten wir einen…

Gepostet von Media Residents am Donnerstag, 28. März 2019

 

 

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