Frauke Wiegand, Head of Happyness bei Solidrinks;  Foto: Andreas Domma

Artikel 14, Absatz 14.2: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

Niklas Franzen hat mit Frauke über Eigentum und Solidarität gesprochen

Solidarität, die erfrischt und lecker schmeckt: Ungefähr so lässt sich die Idee eines kleinen Berliner Unternehmens zusammenfassen. Mit dem Verkauf von Getränken soll Geld für Projekte gesammelt werden, die gegen Rassismus und Diskriminierung kämpfen. Der Name ist Programm: Solidrinks.

Begonnen hat alles im Jahr 2014. Frauke Wiegand und drei Mitstreiter*innen überlegten, wie man langfristig soziale Projekte unterstützen und eigene antirassistische Kampagne anstoßen kann. Irgendwann kam die Idee, eine Mate zu produzieren. Doch warum ausgerechnet Mate?

»So hat man mehr Zeit, sich politisch zu engagieren«

Gerade in der deutschen Hauptstadt trinken viele Menschen das koffeinhaltige Getränk. Laut Wiegand könne man so politische Botschaften auch dorthin tragen, wo gesellschaftlicher Aktivismus in der Regel weniger präsent ist: In Hipster-Cafés, in den Späti, zum Arbeitsplatz. »Außerdem kann man durch Mate länger wach bleiben«, sagt Wiegand und lacht. »So hat man mehr Zeit, sich politisch zu engagieren«.

Wiegand und ihre Kolleg*innen engagierten sich zuvor für viele Jahre in der Geflüchtetenhilfe oder hatten selbst Fluchterfahrung. Viele arbeiteten im Kultur- und Barbetrieb. Von Getränkeproduktion hatte jedoch niemand Ahnung. Trotzdem gründete sie im Jahr 2016 das kleine Unternehmen. »Wir haben unsere ehrenamtliche Arbeit zum Beruf gemacht«, meint Wiegand. »Manchmal kann es von Vorteil sein, ohne Expertise mit etwas anzufangen. Dann traut man sich mehr«.

Vom Rezept bis zur Werbung

Und das Unternehmen hat durchaus Erfolg: In vielen Berliner Clubs, Bars und Cafés kann man die kleinen Flaschen kaufen. Auch in ein paar anderen Städten gibt es die solidarischen Getränke. Und seit ein paar Monaten wird auch Cola produziert. Das Team ist mittlerweile zu fünft, alles wird weiterhin selbst gemacht – vom Rezept bis zur Werbung.

Ein fester Betrag pro Flasche geht direkt an die Projekte. Wenn sich das Unternehmen irgendwann trägt und Gewinne macht, soll alles was übrig bleibt, gespendet werden.

Auf den Etiketten werden die Initiativen vorgestellt. »Soli-Shouts« nennt Wiegand das: »Unsere Flasche schreien förmlich heraus, dass sie für etwas stehen.« Diese Art der politischen Kommunikation sei auch transparenter, meint Wiegand. Käufer*innen wüssten auf diese Weise, wen genau sie unterstützen.

Solimate, Foto Andreas Domma

»Cycling is freedom«, steht zum Beispiel auf einigen Flaschen. Mit dieser Kampagne wird Geld für das Projekt Bikeygees gesammelt, das geflüchteten Frauen das Fahrradfahren beibringt. Auf anderen Flaschen werden Sportprojekte für Geflüchtete, Initiativen von geflüchteten Frauen und alternative Zentren vorgestellt. Zusammen mit der Seebrücke-Bewegung soll bald eine Kampagne für die zivile Seenotrettung gestartet werden. »Together for Rescue« wird Geld für Organisationen wie Jugend rettet und Sea-Watch sammeln.

Das kommt nicht bei allen Linken gut an

Politische Botschaften sind derzeit auch bei großen profitorientierten Unternehmen angesagt: H&M verkauft T-Shirts mit »Feminism«-Schriftzug, Nike positioniert sich in Werbeclips gegen Rassismus und Vodafone wirbt mit Regenbogenfarben und schwuler Liebe. Was macht Solidrinks anders? »Für uns ist das kein Werbegag – wir machen das  Ganze für einen guten Zweck. Jeden Tag. Das ist der Unterschied zwischen green-washing, political correctness und Sozialunternehmertum«.

Das kommt nicht bei allen Linken gut an. Oft müssen sich die Mate-Produzent*innen anhören, irgendwie doch ein normales Unternehmen zu sein. »Viele argumentieren, dass Konsum sowieso scheiße sei, billig jedoch auch sozial sei und sie deshalb weiter lieber ihr Sterni trinken«, sagt Wiegand. »Aber wir glauben, dass man einen Unterschied machen kann. Unser Ziel ist es, neben der gesellschaftlichen Veränderungen, auch das Unternehmertum neu und vor allem sozial zu denken.«

>> Frauke Wiegand ist Head of Happiness bei Solidrinks. Empowerment and Support for Refugees e.V.

>> Niklas Franzen ist Redakteur beim Online Magazin Supernova. Dieser Text erschien zuerst im Magazin „Gesicht zeigen“ zum 70. Geburtstag des deutschen Grundgesetzes.

Foto: Andreas Domma für zeigtgesicht.de

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