Marcus Höhn ist Fotograf aus Leidenschaft, ein Künstler mit Prinzipien. Was wie eine Phrase klingt, entspricht bei ihm sichtbar der Wahrheit. Er braucht und sucht den Kick, das Besondere und lässt sich nicht auf einen Stil oder ein Genre festlegen. Ob Architektur oder Menschen, klassische Editorials oder private Portraits, Produkt- oder Imagewerbung, es muss menschlich stimmen, damit Marcus Höhn einen Auftrag annimmt. Wir durften ihn im Zusammenhang mit unseren Grundgesetz-Magazin kennenlernen und wollten das alles etwas genauer wissen.

Media Residents: Hallo Marcus, kennengelernt haben wir uns über die Arbeiten am Magazin, gehört haben wir schon vorher von dir: du warst einer der ersten Gäste im PicDrop-Podcast von Andreas Chudowski. Woher kennt ihr euch?                    

Marcus Höhn: Kennengelernt habe ich Andreas bei einem Vortrag, den er über die Entstehung und die Funktionsweise seines neuartigen Tools gehalten hatte. Ich war sofort begeistert. Davor habe ich mich als Fotograf mit verschiedenen Upload Tools und ftp Server Programmen rumärgern müssen. Durch Picdrop habe ich ein professionelles Werkzeug, das mir die tägliche Arbeit erleichtert.

Die beste Werbung für Fotografinnen und Fotografen sind natürlich und offensichtlich Fotos. Was tust du noch für dein eigenes Marketing?

Beim Thema Selbstvermarktung und aktives Marketing bin ich eher zurückhaltend. Die beste Werbung für einen Fotograf ist, wie du schon sagst, das veröffentlichte Bild. Also das gedruckte Motiv eines Auftrags oder auch die Präsentation der eigenen Bilder in einer Ausstellung. Damit meine Arbeiten gesehen und als Werkschau betrachtet werden können, biete ich neben meiner Website auch einen Newsletter mit aktuellen Produktionen an, den ich der Regel viermal im Jahr verschicke.

Wie viele andere Fotografen bist du auch auf Instagram. Herzlichen Glückwunsch in diesem Zusammenhang zu 1.000 Followern! Bedeutet dir diese Zahl etwas bzw. wusstest du überhaupt von diesem “Meilenstein”?

Danke, inzwischen sind es glaube ich schon 1.001 … aber die Anzahl meiner Follower ist nicht das wichtigste. Ich sehe Instagram als ein zusätzliches Medium um Bilder zeigen zu können, eine kleine Online-Galerie meiner Arbeit, mehr nicht. Außerdem sind 1.000 Follower inzwischen nicht gerade wahnsinnig viel. Es gibt Menschen die Schminktipps geben und die Hundert mal mehr Follower haben.

Du hast alles bzw. jede und jeden aus der Medienlandschaft portraitiert, unter anderem die Gesicht Zeigen!-Unterstützer Klaas Heufer-Umlauf und Dunja Hayali. Was hast du selbst von diesen Medienprofis lernen können?

Ruhe bewahren und versuchen die Übersicht zu behalten, auch wenn es stressig wird.

Ursprünglich warst du Architektur-Fotograf, hast statische, historische Gebäude in Bildern festgehalten, was so ziemlich das Gegenteil von dynamischen und so bewegenden Portraits ist. Was haben diese beiden Formate aus deiner Sicht gemeinsam?

Ein gut umgesetztes Architektur-Motiv soll mich als Betrachter berühren und bestenfalls Emotionen hervorrufen. Das gleiche gilt für Portraits von Menschen. Es ist dann ein besonderes Bild, wenn es über das reine Abfotografieren hinausgeht. Deshalb würde ich zwischen diesen beiden Bereichen sowieso nicht so stark differenzieren. Letztendlich geht es um die Erschaffung eines faszinierendes Bildes.

In den Fotos schaffst du es, die Protagonisten sehr natürlich aussehen lassen, also ungestellt. Täuscht der Eindruck?

Die Arbeit an einem guten Bild ist für mich tatsächlich eine kommunikativer Prozess. Es ist nicht das reine Abbilden oder Festhalten, sondern der Blick hinter die “Fassade”, um in der Architektur-Sprache zu bleiben. Fotograf und Motiv müssen kommunizieren und sollten sich aufeinander einlassen. Nur so kann eine Atmosphäre der Offenheit entstehen, durch die ein besonderes, ein natürliches Motiv erst möglich wird.
Das ist vielleicht doch ein wichtiger Unterschied zur Arbeitsweise in der Architektur. Wenn man so will, ist es bei Gebäuden und anderen statischen Motiven ein intensiver Monolog des Fotografen, während bei Portraits ein intensiver Dialog unbedingt notwendig ist.

Ein solcher Dialog benötigt viel Vertrauen und Empathie. Hat man als Auftragsfotograf die notwendige Zeit dafür?

Tatsächlich wird die Zeit oft vom Auftraggeber oder Agenten oder anderen Umständen vorgegeben. Was bedeutet, in kürzester Zeit das gewünschte Motiv zu realisieren. Es kam schon vor, das ich innerhalb von 8 Minuten, eine grosse Magazin Bildstrecke fertigstellen musste. Aber entspannter ist es natürlich, wenn mehr Zeit vorhanden ist.
Das wichtigste ist, nie den Spaß an der Fotografie zu verlieren.

Wie findest du in deiner täglichen Arbeit die Mitte zwischen persönlichem Anspruch und den externen Vorgaben?

Das wichtigste ist, nie den Spaß an der Fotografie zu verlieren. Dafür ist es für mich unabdingbar freie Produktionen zu realisieren. Frei bedeutet in diesem Zusammenhang, ohne den Druck eines Auftrags und ohne die zeitliche Beschränkung zu arbeiten. Also Themen und Aufgabenstellungen zu erfassen, die mich persönlich beschäftigen.

Solche Bilder werden dann in Ausstellungen präsentiert oder verschwinden auch mal bei mir in der Schublade.

Wie sieht es aus mit politischen Botschaften in Foto-Motiven? Politikerinnen und Politiker selbst sucht man auf deiner Seite vergebens… Hast du auch schon Aufträge aufgrund der Motive oder der jeweiligen Message des Absenders abgelehnt?

Ich habe schon Aufträge für Portraits von Politikern abgelehnt, die als Person für eine nationalistische und rassistische Haltung stehen. Wie schon beschrieben ist Kommunikation und ein offenes Gespräch unabdingbar für meinen Arbeitsprozess. Portraits von Menschen die dies nicht ermöglichen lehne ich von vornherein ab.

Und anders herum: auf welche Arbeiten freust du dich besonders?

Ich fotografiere einige Persönlichkeiten immer wieder. Oft liegen zwischen den Aufnahmen viele Jahren. Ich habe zum Beispiel gerade den Schauspieler Robert Stadlober zum zweiten Mal portraitiert. Die erste Session ist inzwischen über 15 Jahre her.

Es ist spannend Menschen wieder zu treffen, gerade wenn viele Jahre vergangen sind. Man kennst sich zwar, aber nach den Jahren, ist es immer wieder ein neues Kennenlernen. Und es ist tatsächlich erfüllend, die jeweilige Geschichte in den Gesichtern und letztendlich auch in den Bildern wiederzufinden.

Darum ist es so wichtig, die errungenen Grundrechte gegen totalitäre Tendenzen in ganz Europa zu verteidigen.

Eine besondere Geschichte erzählt auch das Grundgesetz, das im Mai 70 Jahre alt wird und einige Änderungen sowie Ergänzungen erfahren hat. Bei dir als Fotografen könnte man davon ausgehen, dass die Artikel zur Kunst- oder Pressefreiheit eine herausgehobene Bedeutung haben. Ist es so?

Die Existenz der Kunst- und Pressefreiheit unterscheidet eine freiheitliche Gesellschaft von einer Diktatur. Das ist so. Für Menschen die künstlerisch arbeiten und sich im hier und jetzt einer Gesellschaft bewegen ist dieses Grundrecht elementar. Ich stelle fest, dass rechte Parteien genau diese Freiheit einschränken wollen.
Wir sehen gerade, zum Beispiel in Ländern wie Ungarn und Polen, das eine Einschränkung dieser Rechte nicht nur Künstler und Journalisten betrifft, sondern letztendlich jeden freiheitlich denkenden Menschen. Darum ist es so wichtig, die errungenen Grundrechte gegen totalitäre Tendenzen in ganz Europa zu verteidigen.

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für junge Fotografinnen oder Fotografen und ihren Umgang mit prominenten Menschen?

Kämpft, um das besondere Bild!
Es geht darum, sich selbst als Autor zu verstehen, also eine eigene Sprache und ein eigenes ästhetisches Verständnis zu finden. Kopien der Kopien gibt es genug. Nur mit einer persönlichen Handschrift ist ein besonderes Bild möglich.

Wir danken dir für das Gespräch!

A project of:

Gesicht Zeigen!
ruft auf, zeigt an,
greift ein – für ein
weltoffenes Deutschland.

www.gesichtzeigen.de

powered by: