Wer Opfer von Hass im Netz wird, gar von Datendiebstahl mit schädigender Absicht, hat einen Fluchtreflex: Bye bye Internet! Doch damit überlassen wir den digitalen Raum Demokratiefeind*innen, statt auch hier das Grundgesetz zu verteidigen. Facebook, Twitter und Instagram sind die Marktplätze von heute. Hier wird mal mehr, mal weniger sachlich debattiert, es wird gestritten und es werden Meinungen geprägt. Das ist gut so, schließlich ist ein zentraler Bestandteil unserer Demokratie, auch im Netz Debatten zu führen und Positionen auszuhandeln. Die sogenannten neuen Medien sind so tief mit unserem Alltag verwoben, dass eine Trennung zwischen digitaler Welt und Offine-Welt nicht mehr existiert. Eines wird dennoch gerade im Internet häufig vergessen: Die Würde des Menschen ist auch hier unantastbar.

Die systematische Abwertung von Einzelnen oder ganzen Gruppen, Gewaltaufrufe und Doxing, das Veröffentlichen privater Daten, sollte im Digitalen genauso wenig Platz haben, wie abseits der Monitore und Smartphones. Und so wäre eine Flucht aus dem Netz demnach ein stilles Einverständnis, dass sich Ausgrenzung und Vorurteile normalisieren. Umso wichtiger ist, dass die Zivilgesellschaft auch abseits des Analogen für demokratische Werte einsteht. Um Betroffene von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit bedingungslos zu unterstützen, sollte sie alle verfügbaren Möglichkeiten ausschöpfen: Strafrechtlich relevante Inhalte, wie das Posten verbotener Symbole oder das Leugnen des Holocaust, können schon mit wenigen Klicks zur Anzeige gebracht werden.

Bei Posts, die von der Meinungsäußerungsfreiheit gedeckt sind, hilft ganz einfach: Widersprechen. Denn Stigmatisierungen und Ressentiments lassen sich durch Gegenrede, also Counter Speech, begegnen.
Hier geht es weniger um den Anspruch, den unmittelbaren Diskutanten zu überzeugen, sondern darum, Betroffene zu schützen und gleichzeitig stillen Mitlesenden weitere Argumente zugänglich zu machen. Wenn in der Fußgängerzone eine Person rassistisch beleidigt oder angegangen wird, sind Dritte gefragt, die sich einmischen. Es gilt, diese Courage und die Wahrung des Grundgesetzes auch im Internet zu zeigen.

Mick Prinz, leitet das Projekt Civic.net, von der »Amadeu Antonio Stiftung«, das sich mit den Themen Hate Speech, Gegenrede und antidemokratischen Hasskampagnen im Netz beschäftigt.

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