Unterstützend, fokussiert und auf Augenhöhe

Was macht eine Tänzerin und Choreografin auf der wahrscheinlich größten (Un-)Konferenz für Social Media- und Community Manager, und was hat das mit sozialem Engagement zu tun? Wir haben Lucia auf dem CommunityCamp 2019 getroffen und uns über die Kraft von sozialen – auch nicht digitalen Netzwerken ausgetauscht.

Hallo Lucia, seit wann engagierst du dich ehrenamtlich für soziale Projekte? Gab es ein bestimmtes Erlebnis? 

Ich engagiere mich eigentlich schon immer, unter anderem auch im Beirat meiner Tanzgruppe damals in Rostock. Die so genannte Flüchtlingskrise hat das natürlich auf ein ganz anderes Level gehoben.

Bei der Ankunft der Geflüchteten in Rostock empfand ich es sofort als meine Pflicht, Betten mit aufzubauen und beim Ordnen der gespendeten Kleider zu helfen. Nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten ist mir nochmal ein Ruck in mein Bewusstsein gefahren. Ein Gefühl von “Jetzt erst recht.” hat mich nicht mehr losgelassen.  Im Sommer 2017 war ich dann mit der Organisation “I AM YOU” in Griechenland und hab mit den Kindern im Geflüchtetencamp im Tanz gearbeitet und konnte so meine Profession mit einem sinnvollen Engagement verbinden.

Ist schon eine Weile her. Gibt es das Projekt noch, mit Aktionen vor Ort oder sogar hier in Berlin?

Das Projekt wurde von anderen Volunteers etwa ein halbes Jahr bis zur Schließung des Camps weitergeführt. Die Kinder und Jugendlichen hatten dadurch eine Möglichkeit ihren Emotionen, Gedanken und Gefühlen über Bewegung Ausdruck zu verleihen und zu transformieren. Außerdem haben die Kinder ihre Geschichten in Basteleien und Schattenspiele übersetzt, die sie fotografisch festgehalten haben. Bei der Fotoausstellung dazu in Athen, spürte ich so viel Freude und Leichtigkeit auf den Bildern; Lethargie, Hoffnungslosigkeit und Schwere des Camps traten weit in den Hintergrund. Die Ausstellung wurde später sogar noch in New York gezeigt. Wenn es eine Gelegenheit gäbe, die Ausstellung in meiner Wahlheimat Berlin zu zeigen und die Arbeit von “I AM YOU” vorzustellen, würde mich das sehr freuen. Gerade fokussiere ich mich auf mein Projekt “Dancing Greatness”, Frauen Empowerment durch Worte und Tanz.

Hast du auf diesem Weg auch zu Share Tanzania gefunden?

Indirekt ja, durch mein Engagement in der Frauenbewegung. Durch mein Interesse an der Entwicklung der Gesellschaft durch Frauen bin ich in vielen Facebook-Gruppen, die eine ähnliche Ausrichtung haben. “Share Tanzania” wurde in der Gruppe “Digital Media Women” von einer Journalistin vorgestellt, die einen Aufruf gestartet hat. Es ging dabei um die Unterstützung in der Social Media Arbeit. Mit mir haben sich so insgesamt zehn Frauen gefunden, die jetzt Share Tanzania dabei unterstützen.

Wer bzw. Was steckt hinter dem Projekt?

Share Tanzania ist eine Charity Organisation, die von John St Julien vor einigen Jahren gegründet wurde, um Waisenkindern ein Zuhause zu geben. Er und seine Frau Fritzi Flora St. Julien leben mit ihrem Sohn vor Ort und kümmern sich um die Kinder und auch um gerettete Hunde. John ist zur Zeit lebensbedrohlich erkrankt und Fritzi kümmert sich vollzeit um ihn. Aus dem Grund kam auch der Aufruf zur Unterstützung in der Facebook-Gruppe. Sie brauchen Unterstützung in ihrer Arbeit, damit weiterhin Paten für die Kinder und Tiere gefunden werden und ihre Waisenhäuser weitergeführt werden können.

Wie seid ihr im Helferteam organisiert?

Jede der zehn Frauen bringt andere Fähigkeiten mit, die wir uns gegenseitig am Anfang vorgestellt haben. Manche haben schon Erfahrung in der Social Media Arbeit oder mit NGOs, sind Journalistinnen oder Lehrerinnen. Wir koordinieren uns über WhatsApp, arbeiten mit dem Projektmanagementprogramm Asana, tauschen uns in GoogleDocs aus und werden dabei von Fritzi unterstützt. Wir haben uns bisher noch nicht gesehen und leben auch in verschiedenen Städten: Hamburg, Berlin, München, Marbella, etc. Wir sind alle total begeistert, wie in diesem ganz frisch aufgestellten Team unglaublich effektiv gearbeitet wird. Wir “kennen” uns jetzt seit etwa zwei Wochen und haben durch die klare Ausrichtung schon Einiges in Bewegung gesetzt. 

Und wie entstand die Idee, das Projekt auf dem CommunityCamp vorzustellen?

Eine aus unserer Gruppe kennt das CommunityCamp seit seiner Gründung und hatte den Eindruck, dass unser Beispiel gut ist, um darüber zu sprechen wie man soziale Medien nutzen kann, um soziale Projekte zu unterstützen. Die Idee entstand ein paar Tage vor dem Camp und es wurde sofort ein Slide für die Präsentation erstellt, ein Text verfasst und eine Person ausgewählt, die hingeht. Den Abend davor sprang jedoch die Kinderbetreuung der Person ab und ich hab mich bereit erklärt uns zu vertreten

Eine große Herausforderung für die erste Teilnahme, was waren deine Eindrücke aus den Gesprächen am FMP1?

Das CommunityCamp ist eine unglaublich gute Plattform, um gemeinsam an Themen zu arbeiten. Es findet Vernetzung statt und die Atmosphäre ist super angenehm: unterstützend, fokussiert, auf Augenhöhe. Gemeinsam haben wir ein ganzes Stück weiter denken können.

Was nimmst du konkret für Share Tanzania mit? Wie geht es weiter?

Gestern haben wir eine Crowdfunding Kampagne für Athumani veröffentlicht, einem Jungen mit Cerebral Palsy, der in ein paar Wochen ohne Unterkunft sein wird. Die Kosten für Medikamente sind hoch und seine Mutter ist noch ohne Arbeit. Das gesammelte Geld wird neben Medikamenten auch dafür eingesetzt, um es seiner Mutter zu ermöglichen, sich ein Business aufzubauen; mit Gemüse und Obst, Anbau und Verkauf. Diese Kampagne bewerben wir jetzt und arbeiten parallel an einer funktionierenden Struktur, die auch stabil ist, wenn eine oder mehrere von uns aussteigen sollte/n, bevor John wieder gesund.

Welche Möglichkeiten gibt es, das Projekt im allgemeinen und vielleicht auch John ganz konkret zu unterstützen?

Unterstützt gerne die Crowdfunding Kampagne mit Geld, mit Aufmerksamkeit in Social Media und eurem näheren oder weiteren Bekanntenkreis. Gerade warten die beiden auf einen freien Platz für John in der Tropenklinik in München. Wenn es uns gelingt, dass ihre Arbeit erfolgreich auch während ihrer Abwesenheit und der Behandlung von John weitergeführt werden kann, sind sie unglaublich dankbar. John ist auch Youtuber und Fritzi gibt dort gerade regelmäßig Updates über seinen Gesundheitszustand und wie es weiter geht. Informiert euch dort gerne über ihr Projekt und ihre Arbeit. 

Vielen Dank für das Gespräch, viel Erfolg mit der Kampagne und – natürlich – die allerbesten Wünsche für John!

Danke auch für die Vernetzung! Und vergesst nicht zu tanzen. 🙂 😉

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