Leander Wattig bei der Verleihung des Virenschleuderpreises 2016 auf der Frankfurter Buchmesse.

Über die Menschen hinter den Büchern

Leander Wattig betreibt unter der Dachmarke ORBANISM eine Plattform für verschiedene Aktivitäten und branchenübergreifende Angebote, die sich vor allem an die vielen Menschenvernetzer*innen richtet. Er selbst geht mit gutem Beispiel voran und bringt unter anderem die Liebhaber*innen von Dokumentationen, Podcasts sowie Büchern zusammen. Beim CommunityCamp haben wir mit Leander über die Visionen seines Netzwerkes, das bevorstehende Kommunikationsfest auf der Frankfurter Buchmesse sowie die Notwendigkeit von Offenheit auch und gerade in der Literaturbranche gesprochen.

Alle sind eingeladen

Hallo Leander, du bist so etwas wie der digitale Botschafter der Literatur und der geistige Vater von den Portalen „Was mit Büchern“ und ORBANISM. Für die Leser*innen, die es noch nicht kennen: worum geht es dabei?

Bei uns geht es weniger um Empfehlungen für die Leser*innen, sondern mehr darum, die Menschen hinter den Büchern zu verbinden, ihnen eine Plattform an die Hand zu geben. Das ging 2009 bei „Was mit Büchern“ als Vernetzungsinitiative für die Buchbranche los und läuft heute bei ORBANISM branchenübergreifend.

Unsere Leidenschaft ist es, dabei mitzuhelfen, dass Menschenvernetzer*innen und Community-Profis erfolgreich sind. Weil wir glauben, dass das der beste Weg ist, um Gemeinschaften der unterschiedlichsten Art in der Gesellschaft zu stärken. Die braucht es für positive Veränderungen und vor allem auch dafür, den ganzen Angstmachern etwas entgegenzusetzen. Wir wünschen uns eine offene, vielfältige und inkludierende Welt und so wollen wir unseren Beitrag dafür leisten.

Und wie sieht deine Rolle darin konkret aus? Immerhin bist du für viele parallel stattfindende Aktionen und Events bekannt.

Ich bin quasi der Kopf hinter dem Ganzen. ORBANISM habe ich 2014 zusammen mit Christiane Frohmann gestartet und es ist heute die Plattform für alle Publishing- und Veranstaltungs-Projekte des Netzwerks. Dazu gehören auch Formate wie die #pubnpub Meetup-Reihe, der ORBANISM AWARD oder auch Communitys wie Doku-Liebe. Das Verbindende ist besagtes gemeinsames Ziel – Menschenvernetzer*innen zu stärken. Wir wollen einen digitalen Werkzeugkasten schaffen, der Community-Profis bestmöglich bei ihrer Arbeit unterstützt. Der Fokus liegt dabei auf Best-Practice-Beispielen, denn davon lassen sich Learnings über Mittel und Wege am besten ableiten.

Außerdem planst du derzeit das Kommunikationsfest auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober. Was ist das genau?

Mit der Frankfurter Buchmesse arbeite ich schon seit 2011 sehr gut zusammen und wir haben seitdem zahlreiche Veranstaltungen als offizielle Partner realisiert. Das ORBANISM Kommunikationsfest ist nun die Umsetzung unseres Kerngedankens in ein passendes Format dort. Die Buchmesse selbst ist ja eine Plattform für die unterschiedlichsten Communitys, die während der Messe aber oft gar nicht richtig in Kontakt kommen. Wir nutzen das Event, um all den Leuten, die für diese Communitys das ganze Jahr über kommunizieren und somit die Stimme der Buchbranche und Kreativwirtschaft sind, danke zu sagen, um sie zu vernetzen und um ihnen einen schönen Abend zu bereiten. Außerdem ist es der perfekte Ort, um gemeinsam ein Zeichen für Offenheit, Vielfalt und Haltung zu setzen.

Was ist das besondere an der Literaturszene und den Menschen, die auf der Buchmesse zusammen kommen?

Bücher sind ja schon immer das Sammelmedium für alle tiefen Inhalte gewesen, weshalb die Buchbranche auch mehr Umsatz macht als beispielsweise die US-Musikindustrie oder die deutsche Film-, Musik- und Games-Branche zusammen. Das ist vielen gar nicht bewusst. Die Branche ist also sehr divers und zudem seit Jahren im Umbruch, wodurch sich viel verändert und viele neue Köpfe dazukommen. Hier ergibt es umso mehr Sinn, für Vernetzung und Erfahrungsaustausch zu sorgen, weil wir alle davon profitieren.

Aber es stimmt schon auch, dass die Buchbranche nicht so lautsprecherisch unterwegs ist wie manch andere Branchen und die Leute dort eher Überzeugungstäter sind. Das mag ich gerade.

Es gibt keinen besseren Ort, um sich für die Vielfalt einzusetzen

Du sagst, es geht dir und euch vor allem um die Communities hinter den Veröffentlichungen. Was für Gemeinschaften sind das konkret und wie werden diese Teil des Programms vor Ort?

Welche Community dazu gehört bzw. dazu gehören möchte, entscheiden nicht wir. Alle sind eingeladen. Aber wir fragen die Teilnehmer*innen bei der Anmeldung, was ihnen beim Community-Building bzw. beim Community-Management wichtig ist und wer es außerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft besonders gut macht. Damit setzen unsere Gäste die thematische Klammer für ein Event der Begegnungen und des Austauschs – auch gern mit unseren großartigen Speakerinnen Idil Baydar (Kein schöner Amt), Anna Dushime und Simone Orgel. Sie werden Impulse geben zur Frage, was gute Kommunikation im Zeichen von Offenheit, Vielfalt und Haltung im Jahre 2019 bedeutet.

Wir sind natürlich von dieser Ausrichtung begeistert. Noch mal zusammengefasst: warum ist gerade die Buchmesse in Frankfurt der perfekte Ort, um sich zu positionieren?

Bücher sind nach wie vor ein Leitmedium in unserer Gesellschaft und der Speicher für das meiste tiefe Wissen unserer Gesellschaft. Die Frankfurter Buchmesse wiederum ist die Weltleitmesse des Publishing. Es gibt also keinen besseren Ort, um sich für die Vielfalt einzusetzen. Was unsere zahlreichen Community-Partner*innen genauso sehen. Daher freue ich mich auch sehr, euch mit den Media Residents an Bord zu haben. Weitere Unterstützung bekommen wir unter anderem von Verbänden wie dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem Selfpublisher-Verband und dem BVCM – Bundesverband Community Management, von Empowerment-Initiativen wie den BücherFrauen, den Digital Media Women und den Jungen Verlagsmenschen, von Digitalplattformen wie dem t3n Pioneers Network, den Netzpiloten und LovelyBooks sowie von Netzwerken wie dem AVP (Arbeitskreis Verlags-PR), dem avj (Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen), dem Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes und dem Kultur Management Network.

Was muss man tun, um mit dabei zu sein?

Ihr braucht nur ein Buchmesse-Ticket und eine kurze kostenlose Anmeldung unter https://orbanism.com/fest. Übrigens können alle Teilnehmer*innen auch etwas gewinnen und sind im Verlosungstopf für die Preise, die unsere Sponsoren zur Verfügung stellen. Die Idee ist, Preise zu verlosen, die den Menschenvernetzer*innen bei der eigenen Arbeit helfen.

So stellt die Akademie der Deutschen Medien wertvolle Konferenz- und Seminar-Freikarten zur Verfügung, Mittwald tolle Hostingpakete für eigene Webprojekte, es gibt Tech Bags von ANY DI zu gewinnen und einen Coachingpreis vom mind.any Verlag. Es lohnt sich also doppelt und dreifach dabei zu sein!

Vielen Dank für das Gespräch, wir sehen uns beim Kommunikationsfest!

Kommunikationsfest:

 

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