Was macht Krieg mit uns?

Die expressiven Arbeiten von Martin Ivičević sind eine persönliche Darstellung von Ereignissen aus der Vergangenheit, dem Erleben des Jugoslawien-Krieges und jetzigem Kriegsgeschehens. Gleichzeitig geht es um die Flucht und Migration von Abermillionen Menschen. Wir haben ihn in seinem Atelier getroffen.

Hi Martin, du steckst mitten in den Vorbereitungen deiner Ausstellung. Wie viel Vorbereitungszeit nimmt so etwas in Anspruch?

Das ist ein längerer Zeitraum, ungefähr ein halbes Jahr. Das Atelier habe ich jetzt seit zwei Monaten und es ist ein großer Vorteil, dass es gleichzeitig die Ausstellungsfläche sein wird.

Das klingt ziemlich unüblich. Wie kam es dazu?

Ich habe Matze vom FMP1 im letzten Juni beim WelcomeCamp 2018 kennen gelernt, als ich im Hof einen Streetart-Workshop geleitet habe und meine Perspektiven auf die Themen Migrationen und Integration zeigen durfte.

Das Barcamp war als auf mehreren Ebenen eine wichtige und bereichernde Erfahrung für mich, ohne die es jetzt wahrscheinlich keine Ausstellung geben würde. Es ist ein einmalige Chance. Ich bin den Veranstaltern und dem Haus wirklich sehr dankbar. Die Kunstkantine ist der perfekte Ort zum Arbeiten und natürlich auch zum Ausstellen.

Wie groß ist das Atelier bzw. wie groß wird deine Ausstellungsfläche?

Groß (lacht). Ich habe einen Raum für meine Arbeit. Die Ausstellung verteilt sich dann auf drei Räume.

Das Thema deiner Ausstellung ist Flucht. Was steckt für dich hinter diesem doch sehr vielschichtigen Begriff?

Genau deshalb habe ich den Titel gewählt! Es geht um die aktuelle Nachrichtenlage und die politischen Zusammenhänge henauso wie philosophische Aspekte. Wir sind alle immer vor etwas auf der Flucht und das fängt schon damit an, dass wir wegsehen vor den Ereignissen, die uns direkt vor unserer Haustür oder eben in den Medien begegnen.

Was verbindest du persönlich mit dem Begriff Flucht?

Ich musste selbst fliehen und pendelte mehrfach zwischen den Ländern und Identitäten. Etwas das sehr aufzehrend ist und zurecht als negativ bewertet wird. Vor allem vom Fliehenden selbst. Man lässt eben sehr viel, auch Liebgewonnenes, zurück. Doch ich habe gelernt, das auch positiv zu sehen und verstanden, dass Flucht auch Zuflucht bedeutet. Für mich persönlich war es die Chance, mich selbst und die Geschichte meiner Heimat besser kennenzulernen und auch die Politik in Europa vielleicht nicht nachvollziehen zu können, aber zumindest zu verstehen.

Wie ist es möglich, dass alles in Bildern darzustellen?

Meine Kunst ist expressionistisch. Für mich heißt das, ich setze alles um, was ich denke, was mir in den Sinn kommt. Spontan und ungefiltert. Ich will weder mich noch meine Umwelt schonen. Das kann ich aber nur in der Kunst. Die Vielfalt der Themen selbst ist dabei weniger entscheidend, als das ganz konkrete Gefühl.

Ein Akt der Befreiung. Auch für die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung?

Zumindest will ich die Menschen berühren. Im besten Fall reflektieren sie die Eindrücke und es bringt sie zum Nachdenken über sich selbst und ihre Rolle in der modernen Gesellschaft.

Die Ausstellung “Flucht” von Martin Ivičević findet ihr von 14. Dezember 2018 bis zum 30 Januar 2019 in der Kunstkantine am Franz-Mehring-Platz 1 (10243 Berlin) – immer Freitags, Samstags und Sonntags von 17.00 bis 20.00 Uhr.

Ausstellungseröffnung:

Am Dienstag, den 11. Dezember 2018, um 19.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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